Die Energiegemeinschaft
Strom vom Nachbardach, der allen gehört
In unserem Namen stecken zwei Ideen. Energiegemeinschaft beschreibt, wie der Strom fließt. Genossenschaft beschreibt, wem er gehört. Hier erklären wir beides.
Wofür wir da sind
In der Präambel unserer Satzung stehen drei Sätze, an denen wir uns messen lassen:
Das Engagement der Mitglieder wird von der ökologischen und sozialen Verantwortung getragen, den durch Menschen verursachten Klimawandel durch den Ersatz fossiler Energieträger zu bekämpfen.
Um den Beitritt zu erleichtern und die Replizierbarkeit der Ansätze zu fördern, verpflichtet sich die Genossenschaft zu größtmöglicher Transparenz ihrer Modelle und Strukturen.
Die Genossenschaft strebt danach, eine inklusive Gemeinschaft zu sein, die niemanden aufgrund finanzieller oder sozialer Umstände ausschließt.
Präambel der Satzung, 4. Juli 2024
Der mittlere Satz ist der ungewöhnliche. Wir legen unsere Verträge, Kalkulationen und Abläufe offen, damit andere sie nachbauen können, auch wenn daraus keine Mitgliedschaft bei uns wird. Eine Energiewende, die nur in München stattfindet, hilft niemandem.
Der dritte erklärt, warum ein Anteil bei uns 100 Euro kostet und nicht 500. Mitmachen soll keine Frage des Kontostands sein.
Was eine Energiegemeinschaft ist
Eine Photovoltaikanlage auf einem Dach in Neuperlach erzeugt Strom. Der fließt zuerst nach unten in das Gebäude, auf dem sie steht. Was dort gerade nicht gebraucht wird, geht in den Speicher. Was der Speicher nicht fasst, geht ins öffentliche Netz.
Diese Reihenfolge ist der ganze wirtschaftliche Kern.
Drei Wege, sehr unterschiedlicher Wert
Der Strom einer Anlage nimmt häufig denselben Weg und zwar in dieser Reihenfolge.
- 1
Ins Gebäude
rund 28 ct pro kWh gespart
Was direkt unter der Anlage verbraucht wird, muss niemand mehr vom Netz kaufen. Der mit Abstand wertvollste Weg.
- 2
In den Speicher
für später abends und nachts
Was mittags übrig ist, wandert in die Batterie und kommt abends zurück ins Gebäude. Dann wieder zum vollen Wert aus Weg 1.
- 3
Ins Netz
rund 8 ct pro kWh vergütet
Erst der Rest geht nach draußen. Verlässlich über zwanzig Jahre, aber nur ein Bruchteil dessen, was Weg 1 einbringt.
Strom über Grundstücksgrenzen hinweg zu teilen, dass also ein Dach in Neuperlach eine Wohnung zwei Straßen weiter beliefert. Der Gesetzgeber arbeitet daran, wir verfolgen es aufmerksam.
Heute gilt: Wer nicht im selben Gebäude sitzt, bekommt keinen Strom von uns, sondern eine Stimme in der Generalversammlung.
Eine Energiegemeinschaft ist damit etwas anderes als eine große Freiflächenanlage. Erzeugung und Verbrauch liegen an derselben Stelle. Die Wertschöpfung bleibt im Quartier, statt über den Strommarkt abzufließen.
Warum Genossenschaft
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Eine Stimme pro Mitglied
Ob jemand einen Anteil hält oder fünfzig: in der Generalversammlung zählt jede Person gleich viel. Wer mehr Geld einbringt, kauft sich keinen größeren Einfluss. Bei einer Energieversorgung, die der Nachbarschaft gehören soll, ist das nicht Beiwerk, sondern der eigentliche Punkt.
-
Anteile ab 100 Euro, höchstens 50 pro Person
Die Untergrenze hält die Tür offen. Die Obergrenze verhindert, dass Einzelne dominieren.
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Keine Nachschusspflicht
Unsere Satzung sieht sie ausdrücklich nicht vor. Wer beitritt, riskiert seinen Anteil: mehr nicht. Es gibt keinen Fall, in dem wir Geld nachfordern könnten.
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Geprüft wird von außen
Jede eingetragene Genossenschaft muss Mitglied in einem Prüfungsverband sein, der Bücher und Geschäftsführung regelmäßig prüft. Das ist Pflicht und einer der Gründe, warum die Rechtsform als besonders insolvenzsicher gilt.
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Austreten geht
Mit einem Jahr Frist zum Ende des Geschäftsjahres. Das Geschäftsguthaben wird ausgezahlt.
Woher das Geld kommt
Vier Quellen, in dieser Größenordnung:
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Strom, der im Gebäude bleibt
Wer unter einer unserer Anlagen wohnt oder arbeitet, kauft den Strom von uns etwas unter dem, was der Netzbezug kosten würde. Beide Seiten gewinnen, und das Geld bleibt vor Ort. Unsere wichtigste Einnahme.
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Strom, der ins Netz geht
Überschüsse werden eingespeist und über die EEG-Vergütung oder eine Direktvermarktung abgerechnet. Deutlich weniger je Kilowattstunde, dafür verlässlich über zwanzig Jahre.
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Einlagen der Mitglieder
Geschäftsanteile ab 100 Euro und Nachrangdarlehen ab 500 Euro. Das ist keine laufende Einnahme, sondern das Kapital, mit dem Anlagen überhaupt erst gebaut werden.
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Förderungen
Die Landeshauptstadt München und die EU fördern teilweise Anlagen und Projektarbeit. Wir beantragen, was passt, aber rechnen erst, wenn es bewilligt ist.
Was wir bewusst nicht einrechnen: Spenden. Kommen vor, sind willkommen, taugen aber nicht als Grundlage einer Kalkulation.
Fünf Stufen, in dieser Reihenfolge
Alles, was unsere Anlagen einbringen, läuft diesen Weg von oben nach unten. Was auf einer Stufe gebraucht wird, kommt auf der nächsten nicht mehr an.
- 1
Betrieb
Versicherungen, Buchhaltung, Steuerberatung, Zählermiete, Wartung, Reparaturen. Läuft, ob die Sonne scheint oder nicht.
- 2
Zinsen und Tilgung
Wer uns ein Darlehen gegeben hat, wird bedient, bevor irgendjemand an eine Ausschüttung denkt.
- 3
Rücklagen
Eine Anlage läuft zwanzig Jahre und braucht in dieser Zeit mindestens einen neuen Wechselrichter. Dafür wird vorgesorgt, nicht gehofft.
- 4
Neue Projekte
Jeder Euro, der hier landet, wird wieder ein Dach. Das ist der Grund, warum es uns gibt.
- 5
Dividende
Jedes Jahr beschließen wir gemeinsam eine Dividende, die an die Mitglieder ausgeschüttet wird.
Wer entscheidet
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Die Generalversammlung
Das höchste Organ. Jahresabschluss, Ergebnisverwendung, Satzungsänderungen, Wahl des Aufsichtsrats passiert alles hier. Jedes Mitglied hat genau eine Stimme, unabhängig von der Anzahl der Anteile.
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Der Vorstand
Führt die Geschäfte und vertritt die Genossenschaft nach außen.
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Der Aufsichtsrat
Überwacht den Vorstand, prüft den Jahresabschluss und muss größeren Verträgen zustimmen, bevor sie unterschrieben werden. Beide Gremien arbeiten ehrenamtlich.
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Die Initiativen
Unsere Besonderheit. Ein Quartier, ein Thema oder eine Hochschulgruppe kann sich als Initiative organisieren, eigene Projekte vorantreiben und intern jemanden benennen, der koordiniert. Die Genossenschaft stellt das Gerüst, die Initiative macht die Arbeit vor Ort.
Ein Name, mehrere Quartiere
Wir heißen bewusst nicht „Energiegemeinschaft Neuperlach", sondern Energiegemeinschaften München. Heute stecken schon mehrere Gemeinschaften darin und weitere sollen folgen:
Neuperlach gREen TUMorrow Harthof · ASCEND
Der Gedanke dahinter ist einfach: Jede neue Energiegemeinschaft müsste sonst wieder bei null anfangen. Satzung, Prüfungsverband, Versicherungen, Buchhaltung, Verträge mit Netzbetreibern. Bei uns ist das schon da.
Ein Quartier, das mitmachen will, bringt sein Dach und seine Leute mit und nutzt den Rest. Das spart Geld, bündelt Kräfte und ist der schnellste Weg, aus einem Pilotprojekt viele zu machen. Wenn ihr in eurem Viertel etwas Ähnliches vorhabt: Sprecht uns an.
Was wir nicht sind
Drei Missverständnisse, die wir lieber vorher ausräumen:
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Kein Stromanbieter
Wir beliefern keine Haushalte im Stadtgebiet. Unseren Strom bekommt, wer unter einer unserer Anlagen wohnt oder arbeitet. Deinen Vertrag mit deinem Versorger kündigst du wegen einer Mitgliedschaft bei uns nicht.
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Keine Geldanlage mit garantierter Rendite
Anteile sind unternehmerische Beteiligung, kein Sparbuch. Ob und wie viel ausgeschüttet wird, entscheidet die Generalversammlung.
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Kein Unternehmen mit Angestellten
Wir haben keine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Alles, was hier passiert, machen Mitglieder in ihrer Freizeit. Das erklärt, warum manches länger dauert und warum jede Stunde, die jemand mitbringt, wirklich zählt.

