Unsere Geschichte
„Energie-wende: Lokal. Fair. Forschung.“
Von einer Frage auf dem Nachbarschaftsfest zur eigenen Genossenschaft
Sommer 2023: Wo kommt unser Strom eigentlich her?
Ende Juni 2023 standen wir mit einem Stand auf dem Nachbarschaftsfest in Neuperlach. Die Frage, die wir mitgebracht hatten, war denkbar einfach: Wo kommt unser Strom eigentlich her und was müsste passieren, damit wir ihn selbst erzeugen?
Ein paar Wochen später gab es Kaffee, gekocht mit Sonnenstrom. Im August dann Eis aus dem solarbetriebenen Kühlschrank. SolarCoffee und SolarIce hießen diese Formate, und sie funktionierten besser als jedes Faltblatt: Die Leute blieben stehen, probierten, fragten nach. Aus Passantinnen und Passanten wurden Interessierte, aus Interessierten wurde eine Gruppe.
September 2023: Zwei Dächer
Im September stiegen wir zum ersten Mal auf Dächer. Am 19. September auf das Perlacher Herz, fünf Tage später auf das Kirchendach am Schumacherring. Wir haben Flächen abgeschritten, Verschattung abgeschätzt, Zugänge und Kabelwege angeschaut.
Auf beiden Dächern liegen heute unsere Anlagen. Das war damals nicht abzusehen, wir hatten weder eine Rechtsform noch ein Konto noch einen Cent.
Im Oktober folgten ein offener Infoabend und ein eigener Termin für Handwerksbetriebe aus dem Viertel. Wer später mitbauen soll, sollte früh mitreden können.
Winter 2023 bis Sommer 2024: Ein Jahr Werkstatt
Dann kam die unspektakuläre Phase, ohne die es nicht geht. Zwischen Dezember 2023 und August 2024 haben wir uns über zwanzig Mal getroffen. Alle Termine waren offen: Wer kommen wollte, kam.
Fünf Abende gingen allein für die Satzung drauf, Paragraf für Paragraf. Dazu Werkstätten zu Geschäftsmodell, Finanzierung, Geschäftsordnung, Strategie und Kommunikation. Im Juni fuhren wir gemeinsam auf die Messe nach München, um Technik anzufassen, über die wir bis dahin nur geredet hatten.
In einem dieser Workshops ist auch unser Name entstanden und der Satz, der seither unter allem steht, was wir machen: We let the sunshine in.
4. Juli 2024: Die Gründung
An diesem Donnerstag fand im NEBourhoods-Pavillon die Gründungsversammlung statt. Die Satzung wurde beschlossen und von den Gründungsmitgliedern unterschrieben, Vorstand und Aufsichtsrat gewählt. Aus einer Gruppe wurde eine Genossenschaft.
Die Rechtsform war eine bewusste Entscheidung, keine Formalie. In einer eingetragenen Genossenschaft hat jedes Mitglied genau eine Stimme, unabhängig davon, ob es einen Anteil hält oder zehn. Wer mehr Geld einbringt, kauft sich keinen größeren Einfluss. Bei einer Energieversorgung, die dem Viertel gehören soll, ist das kein Detail, sondern der ganze Punkt.
September 2024: Besuch aus Brüssel
Am 13. September 2024 kam EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen nach Neuperlach und besuchte den Pavillon, in dem wir zehn Wochen zuvor gegründet hatten. Für uns war das vor allem eine Bestätigung: Was hier auf ein paar Münchner Dächern passiert, ist Teil von etwas Größerem und umgekehrt bleibt das Größere abstrakt, solange es niemand vor Ort umsetzt.
Mai 2025: Eingetragen
Zwischen Gründung und Eintragung liegt bei einer Genossenschaft die Gründungsprüfung durch den Prüfungsverband. Sie prüft, ob das, was wir uns vorgenommen haben, wirtschaftlich trägt. Im Mai 2025 wurden wir ins Genossenschaftsregister beim Amtsgericht München eingetragen. Seither führen wir das „eG" ohne Zusatz.
Seit Februar 2025 treffen wir uns außerdem jeden Monat zum Jour fixe, offen für Mitglieder und für alle, die es werden wollen.
2025 und 2026: Strom auf dem Dach
Im November 2025 wurde unsere erste Anlage montiert: das Perlacher Herz, rund 10 kWp. Seit März 2026 läuft sie im Regelbetrieb und speist Strom ein.
Die zweite Anlage steht am Schumacherring: 24,38 kWp auf dem Dach, dazu ein Batteriespeicher mit 11 kWh. Es ist genau das Kirchendach, das wir im September 2023 zum ersten Mal betreten hatten: zweieinhalb Jahre zwischen erstem Blick und erstem Kilowatt.
Forschung, die zurückkommt
Entstanden ist die EGM im EU-Leuchtturmprojekt „Creating NEBourhoods Together": einem von sechs Demonstratoren des Neuen Europäischen Bauhauses, koordiniert von der Landeshauptstadt München und fachlich getragen vom Lehrstuhl für Gebäudetechnologie und klimagerechtes Bauen der TU München.
Das Projekt endete im März 2025. Wir nicht. Genau das war von Anfang an der Auftrag: keine Studie, die im Regal landet, sondern eine Struktur, die weiterläuft, wenn die Förderung ausgelaufen ist.
Die Verbindung zur Wissenschaft ist geblieben, und sie geht in beide Richtungen. Wir übersetzen Forschungsergebnisse in Anlagen auf echten Dächern und spielen zurück, was sich dabei als richtig oder als falsch herausstellt. Im EU-Projekt ASCEND setzen wir das derzeit im Harthof fort.
Was daraus werden soll
Wir sind eine kleine Genossenschaft, getragen von Ehrenamt. Das heißt: Jedes neue Mitglied zählt, jede angebotene Dachfläche zählt, jede Stunde Mitarbeit zählt.
Das nächste Ziel ist Wachstum, das sich trägt, mehr Anlagen auf Münchner Dächern, mit hohem Eigenverbrauch direkt im Gebäude. Und darüber hinaus: Strom nicht nur zu erzeugen, sondern ihn in der Nachbarschaft zu teilen. Die rechtlichen Grundlagen dafür entstehen gerade.
Wenn du dabei sein willst: Es geht am einfachsten, indem du kommst.
Meilensteine
- Sommer 2023
Die Frage
Beim Nachbarschaftsfest in Neuperlach: Wo kommt unser Strom eigentlich her?
- Herbst 2023
Die ersten Dächer
Begehung am Perlacher Herz und am Schumacherring.
- 4. Juli 2024
Die Gründung
Nach über zwanzig offenen Werkstätten: Satzung beschlossen, Gremien gewählt.
- Mai 2025
Eingetragen
Eintragung ins Genossenschaftsregister beim Amtsgericht München.
- März 2026
Strom fließt
Das Perlacher Herz geht in den Regelbetrieb, das erste Dach von 2023.
10 kWp
- Heute
Es geht weiter
Am Schumacherring entsteht Anlage zwei. Und wir suchen weitere Dächer.
24,38 kWp 11 kWh
Zum Nachlesen und Nachmachen
Unsere Gründung ist vollständig dokumentiert: Geschäftsmodell, Governance, Finanzierung und alle Workshop-Formate. Beide Berichte erschienen im November 2024 als öffentliche EU-Deliverables. Wer selbst eine Energiegemeinschaft gründen will, findet hier den kompletten Bauplan.
Beide Berichte entstanden im EU-Leuchtturmprojekt Creating NEBourhoods Together. Alle Ergebnisse des Projekts findest du auf nebourhoods.de.

